Review: Call of Crows. Entfesselt by G.A. Aiken

Donnerstag, 12. Mai 2016


Niemand weiß besser als Vig Rundstrom: auch Odins Krieger brauchen ab und zu mal einen Kaffee. Erst recht, wenn der von einer heißen Barista wie Kera Watson serviert wird. Als Vig mitansehen muss, wie Kera nach ihrer Schicht überfallen und ermordet wird, beschließt er, sie zu retten. Doch Ex-Marine Kera ist sich nicht sicher, was sie von dieser Rettung halten soll. Als »Krähe« der Norne Skuld soll sie fortan den Weltuntergang verhindern. Nur scheinen ihre neuen Kampfgefährtinnen so gar nichts von Disziplin zu halten. Und dann wäre da noch Vig, der sie ständig von ihrer Arbeit ablenkt…

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Willkommen in der verrückt-verdrehten Welt von G.A. Aiken/Shelly Laurenston! Wer ihre Dragon Kin oder Pride Reihe gelesen hat, wird ihren Stil bereits kennen und diejenigen, die nach dem ersten Buch nicht aufgegeben haben, werden sie dafür auch lieben. Ihre Charaktere kann man nur als abgehoben und verrückt bezeichnen, auch wenn man das durchaus liebevoll und positiv meint. Nun wünschte ich mir, dass ich genau das an dieser Stelle auch von „Call of Crows. Entfesselt“ sagen könnte. Über die zahlreichen Gründe warum das nicht der Fall war, werde ich euch hier nun erzählen. Und zwar ausführlichst und nicht unbedingt Spoilerfrei, also fühlt euch hiermit vorgewarnt ;)

Mit Kera hatte ich wohl die größten Probleme. Als Heldin war sie für mich vollkommen ungeeignet, unsympathisch und anstrengend. Zugegeben, ihr ganzes Leben wird auf den Kopf gestellt, aber sie ist schon eingebildet, wenn sie nach nicht mal zwei Tagen glaubt alles besser zu wissen. Da läuft sie mit ihrem Klemmbrett durch die Gegend und will überall Ordnung und Struktur reinbringen. In ein System, das sie gerade erst zu verstehen lernt und sich dabei übrigens nicht besonders viel Mühe gibt. Man erhält eher den Eindruck, als wäre sie mit ihrem zweiten Leben gestraft worden: egal um was es geht, sie ist anderer Meinung und sie nimmt sich auch nicht die Zeit ihre neuen Crow-Schwestern erstmal kennen zu lernen. Stattdessen verhält sie sich ihnen gegenüber arrogant und abweisend, als wäre sie etwas Besseres.

Nun hätte ein facettenreicher und in seiner Persönlichkeit starker Held vieles ausgleichen können. Leider misslang es der Autorin komplett Vig als solchen aufzubauen. Auf den Punkt gebracht ist er ein Schläger, der nicht viele Fragen hinsichtlich seiner Aufträge stellt, bei dem es nicht Liebe, sondern Lust auf den ersten Blick war, als er Kera gesehen hat und der zwar für sie eine Stütze ist, aber an dem sonst nicht viel dran ist. Die Autorin hat sich nicht mal um Charaktertiefe bemüht bzw. diese nur angedeutet indem sie ihnen schmerzliche Vergangenheiten zuschreibt. Bei Kera steckt sie etwas mehr Arbeit hinein, braucht diesen Aspekt aber nur für den Einstieg und die Extraportion Dramatik, in späterer Folge spielt das keine Rolle mehr. Bei Vig reichte es nicht mal für das. Die Beziehung zu seiner Schwester hätte so gut ausgestaltet werden können oder auch die zu seinen Vorfahren oder Freunden, aber all diese Charaktere blieben farblos und für mich uninteressant.

Man würde vermuten, dass die Autorin die Schwächen der Charakterdarstellung mit einem überzeugenden World Buildung und einer mitreißenden Handlung ausgleichen möchte, aber auch von dieser Hoffnung durfte ich mich rasch verabschieden. Die Grundidee von nordischen Göttern und ihren Anhängern zu erzählen, ist zwar nichts Neues, aber G.A. Aiken hätte ich eine geniale Umsetzung zugetraut. Schlussendlich wirft die Autorin aber nur mit Namen und Mythen um sich, sodass man (oder zumindest ich) gedanklich nicht immer mit kommt. Ich hat mir schon schwer all die Charaktere namentlich zuzuordnen, bei den Göttern und deren Zugehörigkeit war es vorbei. Die Probleme hierfür könnten aber auch darin liegen, dass ich mich in dieser Thematik gar nicht auskenne und die Autorin für diesen Fall zu wenig Rücksicht nimmt und ihre Leser einfach ins kalte Wasser schupst. Das gilt übrigens auch für den Einstieg ins Buch, denn plötzlich findet man sich mitten drin in der Handlung. So rasant es begann, so schnell war es wieder vorbei und für weitere Spannungshöhepunkte musste man lange warten. Schließlich musste die Autorin zuerst ihre neue Welt aufbauen, da blieb keine Zeit für eine Handlung mit überraschenden Wenden oder Enthüllungen.

Bis zum Schluss war ich mir hinsichtlich der Bewertung unsicher, aber alle Kritikpunkte zusammengekommen und der Umstand, dass mir 3-Sterne Bücher der Autorin immer noch besser gefallen haben, als „Call of Crows. Entfesselt“, lassen mir keine andere Möglichkeit. Ich wage nicht mal zu behaupten es läge an der Übersetzung, denn die grundlegenden Probleme müssen ja schon im Original enthalten sein. Übrig bleibt, dass ich mich bei keinem Buch der Autorin zuvor so gelangweilt habe wie hier, so sehr auf die Seitenzahlen geblickt habe um zu wissen wann ich es endlich ans Ende geschafft habe und so wenig bzw. gar nicht gelacht oder gegrinst habe (dabei war Aikens Humor immer der Grund warum ich ihre Bücher geliebt habe!). Und das Ende erst – einfacher ging es wohl nicht zum Abschluss zu kommen? Auf die Fortsetzung werde ich gerne verzichten. Ehrlich gesagt wüsste ich nicht mal um wen sich diese drehen sollte, denn die Nebencharaktere haben sich ja nicht grade gut gemacht. Daher, „nein danke“ von meiner Seite.

Kommentare:

  1. Stimmt. Jetzt wo ich deine Beschreibungen von Keramik lese, weiß ich wieder wie mich das genervt hat. Vig war schwach ausgebaut. Das World Building war wirklich mies. Aber das hatte ich ja erwähnt. Die mangelnde Einbindung der Gottheiten empfand ich auch als Kritikpunkt. Mich störte dieses ständige Kämpfen und dass es keine Gewöhnungsphase für die Protagonistin gab.

    Eher nicht das, worauf man sich sonst bei Aiken freut.

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    1. Wirst du Band 2 noch lesen? Ich hab vorhin mal geschaut wer da die Hauptcharaktere sind, aber die Neugierde ist gleich Null...

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    2. Ich hab eigentlich auch null Interesse an Band 2. Also werde ich den wohl eher nicht lesen. Hab ja auch noch genügend Lesestoff hier vor Ort zur Verfügung. Und da mache ich mich auch gerade noch auf, den ältesten Quark von zu lesen. Meine aktuelle Lektüre ist schlimm genüg und Strafe dafür, dass ich es sechs Jahre subben ließ... T___T

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  2. Echt krass, dein Eindruck ist ja beinahe das komplette Gegenteil meines Leseerlebnisses. Das schockt mich gerade ein bisschen *lach*.
    Ich stimme dir voll zu, dass das Charakterdesign leider sehr oberflächlich blieb. Ansonsten war ich von der Geschichte aber super unterhalten - ich fand es sogar spannender als die bisherigen 3 Lions-Bände, die ich gelesen habe, weil hier (meiner Meinung) viel mehr passiert und eine "echte" spannende Hintergrundhandlung vorhanden ist, die ich bei Lions bisher immer ein wenig vermisst habe.
    Tja, so unterschiedlich kann man Bücher empfinden. Es ist immer wieder spannend! *lach*

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    1. Ich weiß! Nie hätte ich gedacht, dass es bei mir so werden würde. Ich hatte mich ja richtig darauf gefreut und nach deiner Rezension noch mehr. Naja, ist halt blöd gelaufen ;)

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  3. Ich les das jetzt mal lieber noch nicht. ;)

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    1. Lieber nicht ;) aber ich fürchte wir werden uns ziemlich einig sein...

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