Review: If You Stay. Füreinander bestimmt by Courtney Cole

Mittwoch, 29. Oktober 2014


Seit dem Tod ihrer Eltern hält die 23-jährige Mila zusammen mit ihrer Schwester Madison das Familienrestaurant am Laufen und ist überzeugte Single-Frau. Das ändert sich, als sie Pax Tate kennen lernt. Pax ist auf den ersten Blick alles andere als ein Traummann: tätowiert, knallhart und mit schlechtem Benehmen. Doch ausgerechnet von ihm und seiner sexy Ausstrahlung fühlt Mila sich unwiderstehlich angezogen. Gegen jede Vernunft geht sie eine Beziehung mit ihm ein und entdeckt immer mehr Pax’ zärtliche Seite. Aber die Vergangenheit holt Mila und Pax unaufhaltbar ein. Wird die Kraft ihrer Liebe ausreichen, um zu bestehen?“

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Entdeckt man ein Genre für sich, dann ist man zuerst vom Angebot überfordert. Man weiß gar nicht wo man anfangen soll, was einem gefallen könnte, in welche Richtung man lesen möchte. Ich habe mittlerweile einige Autorinnen kennen gelernt, deren Bücher ich im Auge behalten werde und nun war es an der Zeit Courtney Cole zu testen. Ich schleiche schon seit Wochen um die Bücher rum, war mir nie sicher und habe es nun einfach gewagt. Obwohl die Wertung eher durchschnittlich ausfällt, so bin ich doch froh über diesen Versuch und „If I Stay. Füreinander bestimmt“ wird sicherlich nicht das letzte Buch der Autorin gewesen sein, das ich lese. Bevor es nun ins Detail geht möchte ich noch darauf hinweisen, dass der Klappentext nicht ganz stimmt. Mila hilft zwar ab und zu im Restaurant, das ihren Eltern gehörte, aus, aber sie ist Malerin von Beruf und ist nur wenig in den Ablauf im Restaurant eingebunden. Da musste ich zum ersten Mal meine Erwartungen anpassen, hoffe aber, dass wir diesen Aspekt im zweiten Teil näher vorgestellt bekommen.

Mit Mila und Pax hat Courtney Cole zwei Charaktere geschaffen, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten. Sie ist das brave Mädchen, die Künstlerin, hat ihre Eltern verloren, aber findet in ihrer Schwester Halt. Er ist der Bad Boy, trinkt, nimmt Tabletten, nutzt Frauen aus, verhält sich rücksichtslos und arrogant. Als seine Vergangenheit ans Licht kommt, wird aber klar, dass er Unvorstellbares durchmachen musste und alles getan hat um dies zu verdrängen. Und es noch tut indem er sich in Drogen und Frauen verliert. Mila wird für ihn im wahrsten Sinne des Wortes zur Lebensretterin. Durch sie beginnt er umzudenken und in Frage zu stellen wie er die letzten Jahre gelebt hat. Weil ich grade davon spreche, dass sie seine Lebensretterin ist – im Buch gibt es so manche abstoßende Szene, aber lasst euch davon nicht beirren. Auf eine verquere Art und Weise passt es zur Geschichte.

Emotional hat mich Pax viel stärker erreicht, trotz seines unmöglichen Verhaltens. Bei all seinen negativen Charaktereigenschaften, seinem Drogenproblem, seiner Arroganz und Überheblichkeit (und zumindest beschreibt er sich selbst als Ar***), hat Pax aber auch sympathische Seiten und im Vergleich zu Mila mochte ich ihn sogar lieber. Er ist derjenige, der an dieser Beziehung arbeitet. Er umwirbt Mila, er möchte ihr nahe sein, er will sein Leben wegen ihr ändern und ein besserer Mensch werden. Mila dagegen glaubt, dass es gerechtfertig ist, ihn leiden zu lassen, schließlich müsste er die Konsequenzen auf sich nehmen. Das hört sich so an, als hätte er es verdient, obwohl sie ihm vorher immer wieder sagt, dass seine Kindheit ihn geprägt hat.

Teilweise hatte man den Eindruck Mila und Pax wären mit großer Leidenschaft Philosophen. Auf alles hatten sie die perfekte Antwort, immer erschienen diese wohlüberlegt, besonders bei Mila. Positiv gemeint könnte man es als schlagfertig bezeichnen, aber bei ihr fand ich es übertrieben. Am besten war das bei ihrer Interpretation ihrer Träume zu sehen, die Therapeutenverdächtig waren. Bei Pax gab es zumindest Gefühlsausbrüche, die so viel ehrlicher seinen Charakter zeigen, als auswendig gelernte Phrasen. Überhaupt werden manche Sachen hier zu Tode geredet und schon so genau analysiert, dass man sich wie bei eben erwähnten Therapeuten fühlt.

Obwohl mir die Geschichte an sich gut gefallen hat, waren es kurze Momente zwischendrin, die mich immer wieder fassungslos auf die Seiten haben starren lassen. Oft unüberlegte Aussagen, bei denen ich nur den Kopf schütteln konnte und mich fragte, ob man so naiv und blind sein kann. Das beginnt schon mit Pax, der seit Jahren Drogen nimmt, aber von sich sagt er habe da kein Problem. Er möchte schließlich nur vergessen und Spaß haben, was er durch die Kombination aus Tabletten und Alkohol erreicht. Eine weitere Aussage bezog sich auf einen Familienvater, der einfach jähzornig war und dem öfters die Hand ausgerutscht ist (mit der interessanten Unterscheidung, dass „Hintern versohlt bekommen“ nicht mit „geschlagen werden“ gleichzusetzen ist), aber er war ja trotzdem ein guter Mensch. Das waren für mich zwei der prägnantesten Szenen, die die Wertung nach unten drücken und auf die ich gut hätte verzichten können.

Durch diesen letzten Punkt wirkt die Rezension vielleicht negativer als es gemeint ist. Man darf nicht übersehen, dass ich das Buch in zwei Tagen gelesen habe. Die Geschichte liest sich flüssig, hat keine Längen, aber leider auch keine Aspekte, die sich besonders positiv hervorheben würden. Die Charaktere waren größtenteils sympathisch, die Hintergrundgeschichte an so mancher Stelle vielleicht etwas übertrieben, aber trotzdem gut umgesetzt und ich war neugierig wie die Charaktere wohl miteinander umgehen. Genauso freue ich mich auf die Fortsetzung rund um Madison. Sie war zwar in diesem Band sehr schnell damit Urteilen zu fassen, aber zum Schluss war an ihr doch eine Veränderung bemerkbar. Ich hoffe, dass die Autorin genau hier ansetzt und weitermacht.  

Kommentare:

  1. Der 'Witz' ist, dass ich genau die Erklärungen, die du so gar nicht mochtest in der Geschichte, sehr, sehr oft im realen Leben höre. Leider sehen sich Abhängige und Opfer häuslicher Gewalt oft so und bagatellisieren es solange, bis sie selbst davon überzeugt sind. :(


    Ich bin gespannt, wie dir Band 2 gefällt. Ich habe ja nach Band 1 beschlossen die Reihe nicht weiter zu verfolgen.

    LG
    Sunny

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    1. Ich finde die Vorstellung schrecklich, was geschehen muss, dass sich Menschen solche Sachen schön reden. Vielleicht reagiere ich da etwas empfindlicher, weil ich selbst Menschen kenne, die so reden und auch das regt mich furchtbar auf :(

      In Band 2 soll die Familiengeschichte ja mehr rauskommen und auch das Restaurant etc. Also genau die Aspekte, mit denen ich hier schon gerechnet hatte, die dann aber nicht kamen. Ich bin also neugierig.
      Liebe Grüße, Melli

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