Review: Küssen gut, alles gut by Rachel Gibson

Sonntag, 6. April 2014

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In Stella Leons Leben läuft gerade alles schief: Ihr schmieriger Chef Ricky de Luca wollte ihr zu nahe kommen, als ein Unbekannter ihn kurzerhand niederschlägt. Ricky ist ein gewalttätiger Ganove, der das nicht auf sich sitzen lassen wird. Stella bleibt also nichts anderes übrig, als Beau Jungers Angebot anzunehmen und mit ihm zu fliehen. Als sie herausfindet, dass Beau nicht zufällig vor Ort war, sondern den Auftrag hatte, sie zu ihrer Familie in das texanische Städtchen Lovett zu bringen, ist Stella außer sich. Wieso mischt sich dieser muskelbepackte Schönling in ihr Leben ein? Doch Ricky ist ihr dicht auf den Fersen, und ein ungebetener Retter in der Not ist immer noch besser als gar keiner...

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Dieses Buch ist ein typischer Fall, wenn es darum geht falsche Eindrücke zu bekommen. Denn von Cover und Klappentext her, hätte das Buch genau auf mich zugeschnitten sein müssen. Es hörte sich nach locker-leichter und humorvoller Unterhaltung an. Ein Buch, das sich toll zwischendurch lesen lässt, das einen zum Grinsen bringt, das ein wenig Romantik mit sich bringt. Manche würde es als Strandlektüre bezeichnen, ich hatte mir ein Wohlfühlbuch erwartet. Rachel Gibson ist für mich keine neue Autorin – ich habe ihre Bücher auf Deutsch und auf Englisch gelesen und obwohl es seit dem letzten Buch ein paar Jahre her sind, hätte ich doch nicht mit so einem Absturz gerechnet. Ich hoffe inständig, dass es nur ein Ausrutscher war, denn Rachel Gibson hatte ich positiver in Erinnerung. Und zwar genau mit jenen Attributen, die ich eben erwähnt hatte. Leider ist davon hier gar nichts zu sehen und vielmehr war es anstrengend das Buch nicht genervt weg zu legen.

Das Drama beginnt schon bei den Charakteren. Die Autorin versucht zwar sie ihn sympathisch darzustellen und schreibt ihnen positive Charakterzüge zu, aber von denen ist absolut nichts zu sehen. Wir lesen, dass die Heldin humorvoll sein soll, aber sie ist die Einzige, die über ihre Witze lacht. Grade bei Humor bin ich eigenwillig und für vieles zu haben, aber lustig habe ich davon nichts gefunden. Ich habe zwar zu Beginn des Buches noch gegrinst, aber das war eher verzweifelt, weil ich mir nicht sicher war, ob ich die Charaktere und ihre Ausdrucksweise wirklich ernst nehmen soll. Das verzweifelte (erfolglose) Suchen also, dass das alles ein Scherz war und das ‚richtige’ Buch gleich beginnen würde. Beim Helden sieht es übrigens nicht besser aus, der ja so ein starker, harter Kerl sein soll, aber nach ein paar Monaten Enthaltsamkeit nur noch mürrisch und grüblerisch ist. Und das ist in keinster Weise positiv oder ansprechend gemeint.

Daneben konnte aber auch der Plot nicht überzeugen und manchmal habe ich mich doch in die falsche Zeit zurück versetzt gefühlt. Man weiß genau, dass Rachel Gibson hier Spannung reinbringen wollte und sie gibt eigentlich ein gutes Tempo vor, wenn man bedenkt, dass die Geschichte innerhalb weniger Tage spielt. Aber es hat sich alles so erzwungen angefühlt, steif und förmlich und falsch. Zeitweise dachte ich, ein Buch aus den 80er Jahren vor mir zu haben, das nur mit modernen Gegenständen ausgestattet wurde. Vom Verhalten und der Ausdrucksweise der Charaktere her, könnte man aber noch ein paar Jahrzehnte zurückgehen. Zudem war die Handlung so gar nicht durchdacht und man merkt genau, dass die Autorin hier nur einen Faktor benötigt hat um die Charaktere zusammen zu bringen und danach ignoriert sie diesen Part einfach! Dann noch das Familiendrama, das dann in zwei Sätzen angesprochen wurde, schlussendlich aber auch nicht geklärt ist. Damit wurden hier so viele Dinge begonnen und dann einfach links liegen gelassen. So Leid es mir auch tut das zu sagen, aber halbherziger hätte man wohl kein Buch schreiben können.

Direkt nach dem Lesen hatte ich dem Buch sogar noch eine bessere Wertung gegeben und obwohl ich normalerweise die Wertung danach nicht mehr ändere, sondern den ersten Eindruck festhalte, konnte ich das hier einfach nicht machen. Es hat mich nicht los gelassen und wenn ich Küssen gut, alles gut mit all den anderen Büchern vergleiche, die eine bessere Wertung bekamen, dann kann ich es nicht auf eine Stufe stellen. Hier war so viel dabei, das mich gestört hat und das schlägt sich leider in der Wertung nieder. Schlussendlich waren mir Geschichte und Charaktere zu oberflächlich und das Buch auch zu kurz. Da hätte so viel mehr dazu gehört um den Charakteren ein bisschen Persönlichkeit zu verschaffen, um Spannung zu vermitteln, eine Beziehung aufzubauen, die über das Körperliche hinaus geht. Stattdessen wird vieles angesprochen, das nie wieder eine Rolle spielt oder man bekommt etwas gesagt, aber nie gezeigt. Wer gerne mal ein Buch von Rachel Gibson lesen möchte, dem kann ich nur ihre älteren Werke empfehlen! Das war noch Humor und Unterhaltung.

Kommentare:

  1. Oh ich hasse es wenn man gerade etwas Leichtes und Fluffiges lesen will und dann kommt das Buch einfach nicht voran und die Charaktere mag man auch nicht wirklich. Sowas kann einen ganz schön runterziehen. Bei Das Mädchen mit den gläsernen Füßen war ich auch furchtbar traurig, dass das Buch so viele Handlungsstränge anfängt und kaum was davon zu Ende bringt.
    Liebe Grüße. :)

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    1. Das ist so frustrierend! Kein Wunder, dass man oft bei den Autoren bleibt, die man eh schon kennt und wo man weiß, was einen erwartet.

      Grade wenn es viele Handlungsstränge gibt, die dann im Leeren verlaufen, denkt man doch, dass es sich die Autorin nicht mal richtig überlegt hat :(
      Liebe Grüße, Melli

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